Montag, 22. November 2010

Leben in Pavitram

Da unser Leben in Pavitram nicht nur aus unterrichten besteht, möchten wir diesen Post unserer restlichen freien Zeit widmen:

Eine Tanzdarbietung beim Children's Day
Die Play-Time
Da das Leben der Hostelboys durch einen strikten Zeitplan geprägt wird, bleiben uns pro Tag ca. 60 Minuten um mit den Jungen zu spielen. Diese geringe Zeit versuchen wir so gut wie möglich zu nutzen und vollkommen präsent zu sein. Wir spielen mit ihnen Murmeln, diverse Ballspiele oder unterhalten uns mit ihnen. In der Regenzeit fällt diese ‚Play-Time‘ auch manchmal einfach aus, da die Kinder nur draußen spielen dürfen. Das bedeutet, der komplette Tag besteht dann aus Schule und ‚Study-Time‘. Was ein Kinderleben. Gelegentlich übernehmen wir auch die Rolle der Kinderkrankenschwester und versorgen so manche Wunde mit ‚Drachenblut‘(auch Betaisadonna genannt) und Pflaster. =)
Die Dorfbewohner
Zu einigen der Dorfbewohner (z.B. unserer Näherin des Vertrauens) haben wir schon ein offenenes Verhältnis aufgebaut .So wird man beim Spaziergang auch gerne mal auf einen Tee und ein paar Kekse eingeladen. Es ist immer interessant, sich so mit den Leuten auszutauschen, denn sobald man sich irgendwo niederlässt, kommen immer andere dazu und bringen sich in das Gespräch ein.
Jeden Sonntagmorgen gehen wir zur Messe, worüber sich viele Dorfbewohner sehr freuen. Wir bekommen Komplimente zu unseren indischen Outfits und Einladungen in die Familien. So versuchen wir, mehr und mehr über das Dorf und die Menschen zu erfahren, auch wenn das aufgrund unserer geringen Tamilkenntnisse nicht immer einfach  ist. Aber die ‚Actionmaster‘ schaffen das schon. =)


Father, Brother und die Sisters
Zu unserer kleinen Zweck-WG kann man eigentlich nur eines sagen: sie ist super. Unser Father Bosco ist sehr herzlich, offen, humorvoll, engagiert und ‚always on the run‘. Wenn es irgendwelche Probleme im Dorf oder im Hostel gibt, ist Father Bosco stets zur Stelle. So schwingt er sich auch schnell mal auf sein Motorbike, um im nahe gelegenen Mädchencollege eine Schlange einzufangen.
Auch mit Brother Anand kommen wir gut zurecht. Er kümmert sich um die Hostel- und Guestteachers- Einkäufe in der Stadt und kommt immer mit vollen Obsttaschen zurück. Außerdem schummelt er stets beim ‚Rummy Cup‘ aber wir können es ihm nicht verübeln. =)
Da wir mit den Sisters eher weniger Zeit verbringen, kennen wir sie noch nicht so gut, wie unsere männlichen Mitbewohner, aber sie sind stets bemüht und hilfsbereit. So haben wir dank ihnen ab sofort einmal pro Woche indischen Tanzunterricht.
Wimala, unsere Küchengöttin
Hanna macht 'Egg 65' am Mission Sunday
Natürlich darf auch in diesem Post eine kleine Anekdote zum Essen nicht fehlen. Wir haben beschlossen, eine neue Religion zu gründen (wo kann man das besser als in Indien?). Unsere Gottheit für die indische Esskultur ist hierbei unsere Köchin Wimala. Sie verzaubert und stärkt uns jeden Tag aufs Neue mit verboten gutem Essen.
Unser Zimmer mit all seinen Mitbewohnern
Wir haben es uns in unserem Zimmer in den letzten beiden Monaten sehr gemütlich gemacht. Wir haben zwei Betten, einen großen Kühlschrank, ein kleines Bad und ein separates kleines ‚Arbeitszimmer‘. Doch auch andere sind mittlerweile auf den Geschmack unseres Komforts gekommen. Während die Ameisenstraße, die durch unser Zimmer verläuft, schon fast zum Inventar gehört, werden andere kleine Gäste wie Kakerlaken oder Grillen vehement mit unserem Moskito-Schocker bekämpft. Doch manchmal ist selbst der Moskito-Schocker machtlos.
So hatte sich doch tatsächlich vor wenigen Tagen eine Wasserschlange bis vor unsere Zimmertüre geschlichen. Sie wartete bis in die Dunkelheit, vor der Tür darauf, eingelassen zu werden. Als sich dann endlich die Tür öffnete, trat Theresa doch glatt auf das arme Tier. Damit war wohl der Alptraum beider (von Theresa und der Schlange) wahr geworden. Total geschockt und ein wenig aufgelöst verharrte Theresa die nächsten 30 Minuten stehend auf der nächsten Bank, während die Schlange leider eines qualvollen Todes sterben musste. Das war zwar wirklich nicht unsere Absicht gewesen, aber die Hostelboys ließen sich mit ihren Holzknüppeln bei dem Wort ‚Snake‘ kaum noch bändigen.
Hanna trotzt dem Schimmel
Ein weiterer Gast war schon in unserem Zimmer, als wir von unserem Wochentrip aus Trichy zurückkamen: der Schimmel. Durch den starken Monsun hatte sich die Feuchtigkeit/Nässe an unserer Wand entlang gehangelt. Hinaus sprossen feine Härchen und wir wurden von schwarzen Flecken an unserer Wand begrüßt. Doch auch diesem ungebetenen Gast haben wir den Kampf angesagt. Bewaffnet mit glühendem Chapathi-Wender in der einen, heißem Waschbottich in der anderen Hand und Chuddidar-Schal als Mundschutz traten wir in den Krieg.  Immerhin konnten wir unsere Frontlinie für eine Woche verteidigen. Nun heißt auf ein Neues: Auf in den Kampf! :D
Die einzigen Mitbewohner, die wir gerne dulden, sind Geckos und unsere Hausspinnen, bei denen wir uns wenigstens einbilden, dass sie uns im Kampf gegen die Moskitos unterstützen.

So, dies ist wieder ein Beweis dafür, dass Langeweile hier ein Fremdwort ist. =)

Ganz liebe Grüße, 

Hanna und Theresa
'If you're happy and you know it,
clap your hands...'
Mission Sunday





1 Kommentar: