Donnerstag, 30. Dezember 2010

2011 wir kommen!!

Waerend es in Deutschland gerade kalt und eisig ist, sitzen wir in Mamallapuram am Strand.Da werden wir morgen Abend auch gemeinsam mit Hannas Eltern Silvester feiern und sofern es der indische Liquor Shop hergibt, hoffentlich die Korken knallen lassen! =)
Wir wuenschen allen einen guten Rutsch ins Jahr 2011!

... Happy new Year.... May all your dreams come true.... All the Best....We pray for you.... Pray for us... Love and Pray...

UND was die Indier sonst noch so sagen! =D

Liebe Gruesse

Hanna und Theresa

PS: Sobald das Internet wieder besser ist, gibts auch wieder aufuehrliche News von uns! =)

Montag, 13. Dezember 2010

Es weihnachtet in Pavitram

Würden wir es nicht auf dem Kalender sehen, könnten wir es selbst kaum glauben: Wir sind mitten in der Weihnachtszeit!?!  Da man hier wirklich nicht im Geringsten in Weihnachtsstimmung versetzt wird(die Inder lassen die Vorweihnachtszeit komplett aus), mussten wir das selbst in die Hand nehmen!

Unsere Weihnachtsvorbereitungen starteten mit der Ankunft drei großer Pakete vollgepackt mit Wichtelpuppen aus Deutschland. Da wurde uns auf einmal klar: Weihnachten ist ziemlich nah! =)  Die Pakete horteten wir erst mal in unserem Zimmer, da es ja trotzdem noch eine Weile hin war, bis unsere Schüler ihr Weihnachtsgeschenk bekommen sollten. Schließlich stellte sich uns die Frage: Welche deutschen Weihnachtsbräuche kann man überhaupt in Indien umsetzen? Wie backt man Plätzchen ohne Ofen? Woher soll man einen Weihnachtsbaum bekommen zwischen all den Kokospalmen?  Und wie kann man mit den einfachsten Mitteln und 400 Helfern das alte Pfarrhaus und das Hostel schmücken ohne im Chaos zu ersticken?

Unsere Maenner =)
Gegen Ende November kam uns die glorreiche Idee, für unsere zwei Männer im Haus je einen Adventskalender zu basteln. Da noch genügend Stoffreste von der Wichtelaktion übrig waren, bekam jeder einen bunten Säckchenkalender. Mit den Worten „What is this?“ und großen Augen wurden wir am 1.Dezembermorgen von den beiden begrüßt. Nachdem selbst die Schwestern im Nachbarkonvent von dieser ‚tollen Erfindung‘ mitbekommen haben, sind die Adventskalender zu einer großen Attraktion geworden und Father Bosco und Brother Anand müssen jeden Morgen auf’s Neue ihre Säckchen verteidigen. Die Adventskalender waren sogar eine Inspiration für Fr. Bosco, der beschloss, auch den Hostelboys mit einfachen Kettchen (Bindfaden und katholische Kreuzanhänger) eine Freude zu machen. „Sharing is very important in this time.“ Wie recht er doch hat.

Mmmh...Lecker!
So, damit wären unsere Mitbewohner schon mal eingestimmt in die Vorweihnachtszeit, doch was ist mit uns???  Womit kann man uns in Indien immer glücklich machen? ESSEN! Das bedeutete: Plätzchen müssen her! =) Also gingen wir auf die Suche nach simplen, aus wenigen Zutaten bestehenden, backofenfreien Plätzchenrezepten. Unser erster Fund: Haferflockenplätzchen. Dies‘ brachte uns schon einen großen Schritt weiter in den Plätzchenhimmel. Aber eine Plätzchensorte war uns einfach nicht genug. Unsere Rettung brachte Fr. Bosco mit seinem Mikrowellentoaster. Mit den passenden Zutaten aus dem Ashramsupermarkt wagten wir den Versuch, Butterplätzchen zu backen. Und nur nach einer Stunde ließ sich sagen: Wir sind im Plätzchenhimmel angekommen! Ein ‚Halleluja‘ (wie es in der Sonntagsmesse zelebriert wird) auf Bosco’s Mikrowellentoaster! Außerdem hat sich herausgestellt, dass unsere deutschen Butterplätzchen in Indien der wahre ‚Renner‘ sind. Dank Fr Bosco und seinen Schwärmereien für das Gebäck war die Dose schon nach wenigen Tagen leer und wir mussten für Nachschub sorgen. =)

Nach dieser kulinarischen Einstimmung fehlte nun nur noch das passende Outfit für das Hostel und unser Pfarrhaus. Und so bastelten wir eine Play-Time lang mit unseren Hostelboys Weihnachtssterne. Mit 10 gelben Pappkartons und drei Scheren machten wir rund 150 Jungs glücklich. Nachdem die erste Skepsis überwunden war, fanden selbst unsere Zwölftklässler großen Gefallen daran, ihren Schlafraum zu schmücken. Und irgendwo mitten im gelben Schnipselchaos saßen wir und versuchten, die Aktion wenigstens ein bisschen zu überschauen. Es war ein riesen Spaß!


Unsere 98 Maedels
Da die letzten zwei Wochen vor den Weihnachtsferien ausschließlich Examen geschrieben werden, rückte unsere letzte Unterrichtsstunde schnell näher. Nachdem unsere Schüler einen kleinen Englischtest hinter sich gebracht hatten, war eine Belohnung fällig: die Wichtelpuppen aus Deutschland. Jedes Kind durfte sich ein Püppchen aus einem großen Sack ziehen und die Freude darüber war riesig. „Miss, is this really my puppet? I can keep it?“ Sie konnten ihr Glück kaum glauben und die Aktion war für uns ein voller Erfolg.
Unsere 30 Jungs...
...alle sind uebergluecklich!










Was den Weihnachtsbaum angeht, haben wir uns doch für eine Bananenstaude entschieden. Die hässlichen Plastikweihnachtsbäume aus dem Singapore-Shop kommen uns nicht ins Haus. Aber deswegen sind wir ja auch in Indien. =)

So, damit kann Weihnachten kommen!
Wir wünschen allen eine schöne Weihnachtszeit!!

Hanna und Theresa

Hier noch ein paar Eindruecke vom Monsun in Pavitram:

Das "Badezimmer"der Jungen
"Wir trotzen dem Monsun!"

Samstag, 27. November 2010

Weltweit Wichteln

Noch bevor wir nach Indien gekommen sind, haben wir das Projekt ‚WELTWEIT WICHTELN‘ mit den 5.Klassen der Martin-Luther-Schule begonnen.

Auf die Plätze, fertig, wühlen!

Das Projekt „WELTWEIT WICHTELN“ wurde von drei Organisationen (ZEB, Evangelisches Missionswerk, GEPA) ins Leben gerufen. Es basiert auf dem Grundgedanken, dass sich Kinder aus verschiedenen Nationen durch selbst gestaltete Handpuppen auf gleicher Ebene begegnen können. Dazu verteilten wir Leinen-Handpuppen an die teilnehmenden Kinder in Deutschland und packten die Puppen für die indischen Kinder in unsere Rucksäcke. Während die Schüler in Deutschland ganze Arbeit leisteten und ihre Puppen z.B. in Fußballstars oder Pipi Langstrumpf verwandelten, ließen auch unsere Schüler/innen hier ihrer Kreativität freien Lauf.
Hochkonzetriert beim Nähen
Doch um diese Aktion überhaupt in Indien durchführen zu können, musste noch einiges vorbereitet werden. Wir fuhren für einen Nachmittag nach Tiruvannamalai und klapperten sämtliche Näher ab, um deren Stoffreste einzusammeln. Mit 5 Taschen voller bunter Stoffreste kamen wir, ohne einen Cent dafür bezahlt zu haben, schließlich zurück nach Pavitram. Andere Nähutensilien wie Nadel und Faden, Glöckchen, Knöpfe und Stoffbänder hatten wir bereits auf dem großen Nähbazar in Madurai eingekauft und so konnte die Aktion beginnen.
Dhivya mit ihrer Puppe
Wir nähten einen ganzen Vormittag mit unseren beiden 6.Klassen, d.h. 90 Mädchen aus der Girls School. Da uns natürlich der Monsun an diesem Tag kein Helfer sein wollte, konnten wir nicht gemeinsam auf dem Hof nähen. Also verbrachten wir den gesamten Morgen auf dem Schulgang zwischen Stoffresten und einer Horde Mädchen, die voller Eifer nach den schönsten Stoffen wühlten. Mal musste hier geschnitten, dort der Faden neu eingefädelt oder wo anders ein Mädchen vertröstet werden, weil sie ihre Nadel verloren hatte. Aber wir müssen sagen: alles klappte wie am Schnürchen und wir hatten alle riesigen Spaß.
Unsere Jungs!

Eine Woche später waren unsere 30 Jungs aus der Boys School an der Reihe. Wir müssen zugeben, wir hatten doch ein wenig Bammel vor den Nähkünsten unserer Jungen. Aber, wie sich schnell herausstellte, völlig unbegründet! Kaum hatten wir die weißen Leinenpuppen verteilt, wurde auch hier gewühlt, was das Zeug hielt und nach der perfekten Farb- und Musterkombination für die Püppchen gesucht. Unsere kleinen Rabauken waren plötzlich ganz ruhig und konzentriert – so hatten wir sie selten erlebt! Nach drei Stunden war alle Arbeit getan und jeder einzelne war stolz auf das Resultat. Wir auch. =)
Thavachandrun versteckt im Stoff
Im Rahmen unseres Englischunterrichtes sollten unsere Schüler/innen in Pavitram einen kleinen persönlichen Steckbrief verfassen. Dabei wurde wieder deutlich, welch scheinbar einfachen Dinge unseren Kids Probleme bereiten können. Selbst vorgeschriebene Sätze zu wiederholen oder abzuschreiben erwies sich für manche schwerer als erwartet. Zum Abschluss wurden die Steckbriefe mit gemalten Lotusblüten, Bananenstauden oder anderen Kunstwerken verziert.
Gemeinsam mit den Püppchen wurden die Briefchen in kleine Säckchen gepackt. Jetzt kann gewichtelt werden! Die Handpuppen der Rimbacher Schüler sind alle unversehrt in Pavitram angekommen. Morgen schicken wir unsere indischen Prachtexemplare nach Rimbach in der Hoffnung, dass auch wirklich alle ankommen.
Vielen Dank nochmal an alle Fünftklässler und deren Klassenlehrer, ohne die das Projekt nicht hätte stattfinden können!

Hanna und Theresa




Montag, 22. November 2010

Leben in Pavitram

Da unser Leben in Pavitram nicht nur aus unterrichten besteht, möchten wir diesen Post unserer restlichen freien Zeit widmen:

Eine Tanzdarbietung beim Children's Day
Die Play-Time
Da das Leben der Hostelboys durch einen strikten Zeitplan geprägt wird, bleiben uns pro Tag ca. 60 Minuten um mit den Jungen zu spielen. Diese geringe Zeit versuchen wir so gut wie möglich zu nutzen und vollkommen präsent zu sein. Wir spielen mit ihnen Murmeln, diverse Ballspiele oder unterhalten uns mit ihnen. In der Regenzeit fällt diese ‚Play-Time‘ auch manchmal einfach aus, da die Kinder nur draußen spielen dürfen. Das bedeutet, der komplette Tag besteht dann aus Schule und ‚Study-Time‘. Was ein Kinderleben. Gelegentlich übernehmen wir auch die Rolle der Kinderkrankenschwester und versorgen so manche Wunde mit ‚Drachenblut‘(auch Betaisadonna genannt) und Pflaster. =)
Die Dorfbewohner
Zu einigen der Dorfbewohner (z.B. unserer Näherin des Vertrauens) haben wir schon ein offenenes Verhältnis aufgebaut .So wird man beim Spaziergang auch gerne mal auf einen Tee und ein paar Kekse eingeladen. Es ist immer interessant, sich so mit den Leuten auszutauschen, denn sobald man sich irgendwo niederlässt, kommen immer andere dazu und bringen sich in das Gespräch ein.
Jeden Sonntagmorgen gehen wir zur Messe, worüber sich viele Dorfbewohner sehr freuen. Wir bekommen Komplimente zu unseren indischen Outfits und Einladungen in die Familien. So versuchen wir, mehr und mehr über das Dorf und die Menschen zu erfahren, auch wenn das aufgrund unserer geringen Tamilkenntnisse nicht immer einfach  ist. Aber die ‚Actionmaster‘ schaffen das schon. =)


Father, Brother und die Sisters
Zu unserer kleinen Zweck-WG kann man eigentlich nur eines sagen: sie ist super. Unser Father Bosco ist sehr herzlich, offen, humorvoll, engagiert und ‚always on the run‘. Wenn es irgendwelche Probleme im Dorf oder im Hostel gibt, ist Father Bosco stets zur Stelle. So schwingt er sich auch schnell mal auf sein Motorbike, um im nahe gelegenen Mädchencollege eine Schlange einzufangen.
Auch mit Brother Anand kommen wir gut zurecht. Er kümmert sich um die Hostel- und Guestteachers- Einkäufe in der Stadt und kommt immer mit vollen Obsttaschen zurück. Außerdem schummelt er stets beim ‚Rummy Cup‘ aber wir können es ihm nicht verübeln. =)
Da wir mit den Sisters eher weniger Zeit verbringen, kennen wir sie noch nicht so gut, wie unsere männlichen Mitbewohner, aber sie sind stets bemüht und hilfsbereit. So haben wir dank ihnen ab sofort einmal pro Woche indischen Tanzunterricht.
Wimala, unsere Küchengöttin
Hanna macht 'Egg 65' am Mission Sunday
Natürlich darf auch in diesem Post eine kleine Anekdote zum Essen nicht fehlen. Wir haben beschlossen, eine neue Religion zu gründen (wo kann man das besser als in Indien?). Unsere Gottheit für die indische Esskultur ist hierbei unsere Köchin Wimala. Sie verzaubert und stärkt uns jeden Tag aufs Neue mit verboten gutem Essen.
Unser Zimmer mit all seinen Mitbewohnern
Wir haben es uns in unserem Zimmer in den letzten beiden Monaten sehr gemütlich gemacht. Wir haben zwei Betten, einen großen Kühlschrank, ein kleines Bad und ein separates kleines ‚Arbeitszimmer‘. Doch auch andere sind mittlerweile auf den Geschmack unseres Komforts gekommen. Während die Ameisenstraße, die durch unser Zimmer verläuft, schon fast zum Inventar gehört, werden andere kleine Gäste wie Kakerlaken oder Grillen vehement mit unserem Moskito-Schocker bekämpft. Doch manchmal ist selbst der Moskito-Schocker machtlos.
So hatte sich doch tatsächlich vor wenigen Tagen eine Wasserschlange bis vor unsere Zimmertüre geschlichen. Sie wartete bis in die Dunkelheit, vor der Tür darauf, eingelassen zu werden. Als sich dann endlich die Tür öffnete, trat Theresa doch glatt auf das arme Tier. Damit war wohl der Alptraum beider (von Theresa und der Schlange) wahr geworden. Total geschockt und ein wenig aufgelöst verharrte Theresa die nächsten 30 Minuten stehend auf der nächsten Bank, während die Schlange leider eines qualvollen Todes sterben musste. Das war zwar wirklich nicht unsere Absicht gewesen, aber die Hostelboys ließen sich mit ihren Holzknüppeln bei dem Wort ‚Snake‘ kaum noch bändigen.
Hanna trotzt dem Schimmel
Ein weiterer Gast war schon in unserem Zimmer, als wir von unserem Wochentrip aus Trichy zurückkamen: der Schimmel. Durch den starken Monsun hatte sich die Feuchtigkeit/Nässe an unserer Wand entlang gehangelt. Hinaus sprossen feine Härchen und wir wurden von schwarzen Flecken an unserer Wand begrüßt. Doch auch diesem ungebetenen Gast haben wir den Kampf angesagt. Bewaffnet mit glühendem Chapathi-Wender in der einen, heißem Waschbottich in der anderen Hand und Chuddidar-Schal als Mundschutz traten wir in den Krieg.  Immerhin konnten wir unsere Frontlinie für eine Woche verteidigen. Nun heißt auf ein Neues: Auf in den Kampf! :D
Die einzigen Mitbewohner, die wir gerne dulden, sind Geckos und unsere Hausspinnen, bei denen wir uns wenigstens einbilden, dass sie uns im Kampf gegen die Moskitos unterstützen.

So, dies ist wieder ein Beweis dafür, dass Langeweile hier ein Fremdwort ist. =)

Ganz liebe Grüße, 

Hanna und Theresa
'If you're happy and you know it,
clap your hands...'
Mission Sunday





Freitag, 19. November 2010

Schule in Pavitram


Der Morning Prayer...
Nachdem wir in unseren letzten Blogs mehr über Freizeitaktivitäten und Trips geschrieben haben, ist es nun endlich an der Zeit mehr über unsere Arbeit hier in Pavitram zu berichten.
... an der Boys School
Nach einem leckeren Frühstück mit Idli, Dosai verschiedenen Chutneys und indischem Kaffee beginnt unser Tag mit dem ‚Morning Prayer‘ an der Punitha Sagaya Annai Boys School. In Reihe und Glied versammelt sich die gesamte Schüler- und Lehrerschaft auf dem Schulhof. Zum ‚Morning Prayer‘ gehören verschiedene Lieder, u.a. die indische Nationalhymne, einige Bibelverse und eine Rede des Schulleiters. Mit den Worten „Good morning teachers“ endet der Prayer und der Unterricht beginnt. Für uns bedeutet das dann erst mal: Sari wickeln. Denn der Sari gehört einfach zum Lehrerin sein dazu. Aber zu unserer Freude sind wir mittlerweile in guter Übung und brauchen nur noch ca. 8 Minuten pro Sari =)
Unsere Maedchenklasse
Prayer an der Girls School









Um 10:30 Uhr beginnt unsere erste Stunde an der St. Antony’s Girls Higher Secondary School in der 6. Klasse. Von 48 Mädchen werden wir jeden Morgen mit dem ‚Morning Song‘ begrüßt. Einen besseren Start in die Stunde kann man sich nicht vorstellen. Die meisten Mädchen sind mit großem Eifer dabei, doch man muss zugeben, dass es bei einer solchen Klassengröße schier unmöglich ist, ein passendes Unterrichtsniveau zu finden. Während die Hälfte unsere Anweisungen problemlos versteht und sie in die Tat umsetzen kann, beherrschen andere noch nicht einmal das kleine ‚ABC‘. Als wir das heraus fanden, waren wir doch ziemlich schockiert! Wir hatten nämlich gleich zu Beginn das ‚ABC‘ abgefragt und es konnte uns jede einzelne sagen. Als wir jedoch ein paar Tage  später nach einzelnen Buchstaben fragten, schauten wir in ratlose Gesichter. Ein perfektes Beispiel für die indische Schule, man lernt das ‚ABC‘ einfach nur im Ganzen. Durch Ereignisse wie dieses, fiel es uns am Anfang schwer eine passende Unterrichtsstrategie zu finden. Doch mittlerweile klappt das alles prima und wir gehen jeden Tag gerne zu den Girls, um ihnen durch Songs, Wörterrätsel und anschaulichem Unterricht Englisch näher zu bringen (nicht umsonst werden wir von Lehrerkollegium nur noch ‚Actionmaster‘ genannt). ;-)
Um 11:15 Uhr klingelt es zur Pause. Diese Zeit verbringen wir im Lehrerzimmer der Girls School, um uns bei indischem Tee mit den Lehrerinnen und Sisters auszutauschen.
Miss Hanna gibt Tipps
Unsere Kolleginnen an der Girls School









Um 11:25 Uhr erwarten uns 15 brave (und das sind sie wirklich) Jungen der 7. Klasse in der Boys School unter unserem ‚Klassenbaum‘ auf dem Schulhof. Der Baum steht glücklicherweise direkt neben dem Schulgebäude und so können wir die Wand als Tafel benutzen. Alleine die Klassengröße zeigt schon einen enormen Unterschied zur Girls School. Dieser wirkt sich sehr stark auf den Unterricht aus. Es handelt es sich nämlich um die 15 cleversten Schüler der Klasse. Das Unterrichtsniveau ist also kaum zu vergleichen zu dem an der Girls School. Aber auch hier ist der Unterricht ähnlich aufgebaut. Wir nehmen ein Thema anschaulich durch, vertiefen es durch verschiedene schriftliche Aufgaben und beenden es spielerisch mit Songs, Spielen und Rätseln oder auch einem kleinen Test. Unsere Themen waren u.a. ‚Feelings & Emotions‘  oder ‚The Body & The Face‘. Bisher gab es zu jedem Thema passende Lieder (“If you happy and you know it“ oder „Head and shoulders, knees and toes“), die unsere Kids mit Begeisterung “brüllen”. =D
Auch bei der Function des sogenannten ‚Children’s Day’ konnten wir gemeinsam mit unseren Schülern mit diesen Liedern ein tolle Darbietung liefern.
Unsere Jungs der 7B
unter dem Klassenbaum
Gegen 12:15 Uhr, wann es genau klingelt konnte uns noch keiner genau sagen, haben wir für eine gute Stunde frei. Diese verbringen wir beim Essen (wo auch sonst =)). Frisch gestärkt durch Reis, Sambar und Gemüse treffen wir uns nach kurzem ‚Afternoon Prayer‘ um 13:30 mit der anderen 7. Klasse unter unserem ‚Klassenbaum‘. Es handelt sich zwar wieder nur um 15 Jungen, jedoch hinterlässt die Mittagspause starke Spuren bei der Aufmerksamkeit (das kennt man ja auch aus Deutschland ;-)). Aber auch unsere kleinen Rabauken haben wir mittlerweile gut im Griff. Hierzu gibt es auch eine kleine Geschichte:

Da uns der Monsun doch glatt unser ‚Klassenzimmer‘ überschwemmt hatte, mussten wir uns einen Raum mit einer Klasse von sechzig 12-Klässlern teilen. Während die Großen sich trotz Aufsicht lautstark unterhielten, waren unsere Kleinen mucksmäuschenstill. Sie fühlten sich sogar richtig gestört vom Lärm, worauf sich J. Akash aufgebracht meldete und sagte: „Miss, they just don’t know our ‚Silent-Fox‘!“ Da kann man sie doch nur noch lieben!

Seit neustem unterrichten wir auch zweimal pro Woche in der staatlichen Grundschule. Doch hier müssen wir erst noch den ‚Final Clou‘ finden, um die Aufmerksamkeit von 60 Jungen und Mädchen zu erhaschen… ;-)

Und somit endet spätestens um 15:00 Uhr ein normaler  Schultag in Pavitram und ein dampfender Tee steht für uns bereit.

Donnerstag, 18. November 2010

10 Tage frei, auf nach Madurai!

பே ப்லேச்செத்
Mit Jerome in Auroville
Dank der Vielzahl an indischen Feiertagen und dem Mid-Semester-Examen in der Schule, hatten wir die gesamte letzte Woche frei. Wieder einmal hatten wir erst zwei Tage vorher von unserem Glück erfahren, aber wir sind ja flexibel und so entschieden wir ganz spontan, eine Woche weg zu fahren. Unser Plan für den Trip war schnell klar: Pondicherry, Madurai, Trichy.
Die besten Snacks gibt's um die Ecke!
Samstags morgens um 4:30 Uhr machten wir uns mit einem Müsli (!!!) im Bauch auf den Weg nach Pondicherry. Dort erwartete uns Jerome, der Bruder von Father Bosco, bei dessen Schwiegereltern wir übernachten durften. Natürlich blieb es, wie immer in Indien, nicht nur bei einer normalen Übernachtung. Wir wurden rundum verwöhnt. Jerome hatte für diesen Tag schon eine Sightseeing-Tour für uns gebucht. Wie wir feststellen durften handelt es sich bei dem „japanischen Sightseeing-Style“, den wir schon aus Mysore kannten, einfach um den „indischen Sightseeing-Style“. =D Mit straffem Zeitplan besichtigten wir die „Hot-Spots“ Pondicherrys, der einst französischen Kolonialstadt. Die Franzosen hatten definitiv großen Einfluss auf die Stadt. Eine lange Strandpromenade und gepflasterte Alleen verleihen Pondicherry ein mediterranes Flair, welches wir sehr genossen. Doch sonntags holte uns der Monsun ein. Auf unserer Erkundungstour zu zweit wurden wir vom Sturm überrascht und konnten uns nur noch pitschnass in das einzige offene Cafe/Restaurant retten: PIZZA HUT. Kaum saßen wir, wurden wir von den BACKSTREET BOYS, die aus den Boxen ertönten, übermannt. Wo waren wir hier gelandet? Das i-Tüpfelchen bildete ein warmer Schokokuchen mit Vanilleeis. Sind wir wirklich in Indien? Nach 6 Wochen regionaler Küche, war das ein wahrer Traum.
Leckeres Frühstück vor Madurai Junction
Mit dem Nightbus fuhren wir noch in dieser Nacht nach Madurai. Morgens um 4:30 Uhr wurden wir mitten in Madurai rausgeschmissen. Jetzt konnte unsere Tour zu zweit also richtig beginnen. Die erste Aufgabe: Finde ein günstiges Hotel. Nach einer Stunde Suche landeten wir bei Akil Towers, unserem Luxushotel (DZ 6,50€ / Nacht). Madurai ist wirklich super für den Backpacker, alles ist zentral gelegen und gut zu Fuß zu erreichen. Wir liefen daher an unserem ersten Tag kreuz und quer durch die Stadt und genossen unser indisches Leben. Eine wichtige Rolle spielt für uns dabei immer das Essen und so knabberten wir uns mit den verschiedensten indischen Snacks durch den Tag. Am nächsten Tag standen wir extra früh auf, um vor den anderen Touristen den wunderschönen Sri Meenakshi Tempel zu besichtigen. Die Mühe hatte sich gelohnt, denn im Tempel waren außer ein paar Hindus wirklich kaum Menschen. Die Tempelanlage in Madurai ist eine der bekanntesten in (Süd)indien. 12 bunt bemalte und mit etlichen Figuren verzierte Türme verteilen sich auf der 6 ha großen Anlage im Zentrum der Stadt. Abends, auf dem Rückweg vom Tirumalai Mayak Palast, stolperten wir per Zufall in den „Alten Bazar“.  In der alten Tempelhalle offenbarte sich uns ein Shoppingparadies / Geldhölle, denn wir ließen ein kleines indisches Vermögen für Schals, Taschen und die mega lässigen „ALI BABA HOSEN“. Und wieder einmal waren wir verzaubert von „incredible India“.
Der Sri Meenakshi Tempel in Madurai
Eingang des Ranganatha Tempels in Trichy









Am nächsten Tag ging es weiter  nach Trichy (3 Stunden Fahrt/ 1 € zu zweit). Dort landeten wir im ‚Hotel Supa‘, da wir die 400 Rupien Grenze die wir uns als Limit gesetzt hatten, einfach nicht überschreiten wollten. Der Name des Hotels ist Gesetz: „Supa“ Lage (am Ende einer Schlammstraße), „supa“ Zimmer (das Bad sollte man doch besser mit Schuhen betreten) und „supa“ frische Luft (der Ventilator war lauter als mancher Rikscharmotor).
Aber auch Trichy ist wie gemacht für den Backpacker. Dank eines „supa“ (diesmal aber wirklich) Busnetzes erreicht man alle Highlights mit demselben Bus. Auch an Sehenswürdigkeiten mangelt es in Tiruchirapalli nicht: Wir erklommen die 437 Stufen des Rock-Fort -Tempels (Vinayaka Tempel), besichtigten den Sri Jambukeshwara Tempel (man kam sich vor wie in der Kulisse vom Dschungelbuch) und bestaunten den Sri Ranganathaswamy Tempel mit einer Tempelanlage von 60 ha.  Mit seinen 21 bunt verzierten Tempeltürmen ist dies das größte Heiligtum Südindiens. Auch hier waren wir alleine unter Hindus, denn laut ‚Lonely Planet‘ besichtigten wir den Tempel als er geschlossen war. Pünktlich zur ‚Lonely Planet Öffnung‘ kamen dann auch die anderen Touristen wieder. =)

Der Jambukeswara Tempel
 In Trichy
   










Wir genossen diese freien und unabhängigen Tage sehr, waren jedoch auch wieder froh nach Hause zu kommen. Als wir morgens um 6 Uhr Pavitram erreichten, saßen unsere Boys schon wieder auf dem Hof bei der sogenannten ‚Studytime‘ und freuten sich uns wieder zu sehen. Und auch wir waren glücklich unsere Jungs wieder zu haben. =)

Freitag, 5. November 2010

Infobrief: "T-Shirts für Pavitram"

Wie sicher einige schon mitbekommen haben, sind wir, Hanna Geiß und Theresa Meyer, seit nun schon über einem Monat in Südindien. Wir leben im Pfarrhaus des kleinen Dorfes Pavitram, gemeinsam mit dem hiesigen katholischen Priester und einem Brother. Dem Gebäude ist ein Jungen-Internat (hostel) angeschlossen, welches ca. 400 Jungen im Alter zwischen 7 und 18 Jahren ein zu Hause bietet.    Unsere Hauptarbeit besteht im Englischunterricht an der Mädchen- und der Jungenschule des Dorfes. Nach der Schule warten die ‚Hostelboys‘ auf uns, um sich mit uns auszutauschen. Wir spielen gemeinsam Spiele, treiben Sport oder helfen ihnen bei den Hausaufgaben. Da es nur zwei Aufsichtspersonen für alle 400 Jungen gibt, wird unsere Arbeit mit Freuden entgegen genommen.
In dem ‚Punitha Sagaya Annai Boys Home‘ hat jedes Kind einen ähnlichen familiären Hintergrund: sie kommen alle aus sehr armen Verhältnissen. 30 Prozent der Jungen sind Waisen. Ein weiterer Großteil der Kinder leidet unter den Folgen zerbrochener Ehen – ein Resultat aus Armut, Arbeitslosigkeit, Alkoholsucht und Gewalt. Andere Eltern sind Tagelöhner oder Feldarbeiter und somit saisonal abhängig. Selbst wenn manche Eltern eine beständige Arbeit haben, reicht ihr Lohn in den meisten Fällen nicht einmal für die nötigsten Dinge wie Essen, Unterkunft und Kleidung. Diese finanziellen Probleme übertragen sich automatisch auf die Kinder im Hostel: So fehlt es an den einfachsten Hygieneprodukten wie Zahnbürste oder Seife. Außerdem besitzen ungefähr 95% der Jungen neben ihrer Schuluniform  nur eine einzige Kleidergarnitur. Diese muss für die gesamte Woche zum Schlafen, Lernen und Sport treiben reichen. Da sich der Alltag hier auf dem Boden abspielt (es wird auf dem Boden gegessen, geschlafen, gelernt und gespielt), ist das Sauberhalten der Kleidung fast unmöglich. Das Problem dabei ist, dass die Jungen,  im sowieso überfüllten Hostel, Matte an Matte zu sechzigst in den kleinen Räumen schlafen. Die Hygiene spielt daher eine umso wichtigere Rolle, damit es sich in den Schlafräumen überhaupt aushalten lässt.  Viele der  Jungen greifen deshalb auf ihre Schuluniform zum Schlafen zurück, was wiederum Bestrafungen  in der Schule zur Folge hat. Die Schuluniform darf nur zum Unterricht getragen werden.
Uns liegt das Wohl der Kinder sehr am Herzen. Jeder einzelne von ihnen bereichert unser Leben und bringt uns neue Erfahrungen. Mit einem einfachen T-Shirt könnten wir den Alltag der Jungs ungemein erleichtern. Es ist unvorstellbar, welche Dankbarkeit die Kinder schon bei einer kleinen Aufmerksamkeit zeigen.
Nun wollen wir „unseren Jungs“ zu Weihnachten eine Freude machen und jedem ein T-Shirt schenken.

Doch auch in Indien kostet ein qualitativ gutes T-Shirt, welches den ersten Waschgang überlebt, mindestens 3,- €. Da es sich bei unserem Projekt um ein Volontariat handelt, sind wir nicht in der Lage, die T-Shirts für die fast 400 Jungs aus eigener Tasche zu finanzieren.  Deshalb sind wir bei der Umsetzung dieser Aktion auf  Spenden  angewiesen. Bitte helfen Sie uns, den Kindern diese Freude zu machen. Sie können sicher sein, dass  jeder Euro Ihrer Spende für die Kinder Verwendung findet, und nicht, wie häufig bei großen Hilfsorganisationen, ein Großteil vom Verwaltungsapparat geschluckt wird. Sollte mehr Geld eingehen als für die T-Shirts benötigt wird, was uns sehr freuen würde, könnten  wir  auch noch andere Dinge, die hier fehlen, wie z.B. Hygieneartikel, Schulbedarf, zusätzlich kaufen.

Spendenkonto:  Konto-Nr. 1011824909, Deutsche Kreditbank AG, BLZ  12030000, Kontoinhaber: Hanna Geiß, Verwendungszweck: T-Shirts für Pavitram. 

Wünschen Sie eine Spendenquittung, dann überweisen Sie bitte auf das Konto des Freundeskreises der Martin-Luther-Schule Rimbach, der das Indienprojekt  ebenfalls unterstützt. Der Freundeskreis leitet die Spenden direkt an uns weiter.

Freundeskreis MLS,  Konto-Nr. 6297  Volksbank Weschnitztal Rimbach, BLZ  50961592 Verwendungszweck „T-Shirt-Aktion Pavitram“.

Regelmäßige Informationen über unseren Aufenthalt finden Sie im Internet unter www.indienprojekt2010.blogspot.com  .

Wir hoffen auf Ihre Unterstützung!
Vielen Dank schon heute im Namen von 400  indischen Jungs.

Es grüßen Sie alle herzlich aus Pavitram/Südindien.
Hanna und Theresa

Freitag, 29. Oktober 2010

One month passed...

Kaum zu glauben, aber wahr: Unser erster Monat in Indien ist schon vorüber!! Die Inder müssen hier wohl eine andere Zeitrechnung haben, denn die Zeit verging wie im Flug!
Lecker Lunch bei Familie Bosco
Wie schon im letzten Post angekündigt, waren wir am Wochenende in Mysore, der alten englischen Kolonialstadt in Karnataka. Unser Trip begann am Donnerstag: gemeinsam mit Father Bosco fuhren wir nach Vellore. Dort besichtigten wir ganz nach dem Motto "OM NAMO NARAYANI" den 'Golden Tempel'. Zu Mittag waren wir bei Fr. Boscos Eltern zum Lunch eingeladen - ein wahres Festessen! Aber richtig scharf... es gab: Reis (natürlich!), gebackenen Fisch, gekochtes Beef in einer Marinade, Koteletts (würzige Fleischbälchen), Blumenkohl-Curry, Rote Bete-Zwiebelgemüse, blanchiertes Krautgemüse nach Kerala-Art, Sambar (eine würzige Soße auf Linsenbasis mit versch. Gemüse), Jogurt um die Schärfe zu lindern und zum Abschluss Pepperwater ( ein scharfer Gemüsefond). Leider hatten wir dabei nur ein Problem: wir konnten uns einfach nicht entscheiden, was am besten schmeckte und so aßen wir uns (Runde für Runde) die Bäuche voll. Danach war ein kleines Nickerchen nötig. Schließlich lag die gesamte Familie Bosco und die zwei 'German Girls' auf dem Boden und schliefen. Nach einem weiteren Tee kurz vor der Abfahrt ließ sich nur noch eines sagen: WE LOVE THIS FAMILY!
Auf geht's...
... im Nighttrain nach Mysore
                      Am Nachmittag ging es weiter nach Veppoor, wo Father Roy schon auf uns wartete. Dort erfuhren wir auch endlich den Plan für das Wochenende in Mysore. Gemeinsam mit einer Gruppe Religionsstudenten, Professoren und Father Roy fuhren wir mit dem Nachtzug direkt von Vellore nach Mysore, wo wir morgens um 6h30 ankamen. Eine erste Lektion: nimm dir immer etwas Warmes zum Anziehen mit, wenn du im Nachtzug unterwegs bist. Wir hatten das natürlich komplett unterschätzt: "In Indien warm anziehen? So ein Quatsch!" Völlig durchgefroren wachten wir am Morgen auf.
Unsere lustige Gesangstruppe
Unsere Unterkunft war in einem Konvent - wo auch sonst? =) Am ersten Tag fuhren wir mit dem Bus nach Coorg, einer Hill Station im Kodagu District. Schon die vier Stunden Busfahrt zu der Hill Station waren ein spezielles Erlebnis. Draußen: Kaffeplantagen, alte Dörfer, wilde Pfefferpflanzen - eine Landschaft à la Dschungelbuch. Hinzu kamen ein kaltes Sauwetter und die gefühlte 99%ige Luftfeuchtigkeit. Drinnen, von der Kälte unbeeindruckt, fand ein sogenannter 'Dauerbattle' aus indischen Gesangs-, Tanz- und Schreieinlagen statt, der die Müdigkeit fortjagen und die Stimmung erheitern sollte. So viele christliche Lieder nacheinander haben wir noch nie geschmettert! Von "He is the Lord, he is the King" bis zu "Walk walk walk walk in the light of God" - es war alles dabei! Am Ziel angekommen traten wir aus dem Bus und sahen gar nichts. Der Monsun hatte uns die Sicht vernebelt. Trotzdem liefen wir im Regen zu dem Tempel am Berg. Von den Tempelstufen kamen uns wahre Bäche entgegen. Pitschnass und natürlich ohne Wechselkleidung kamen wir nach der Besichtigung zurück zum Bus. Freundlicherweise bekamen wir ein trockenes Männerhemd und ein Männershirt geliehen, was uns zwar für den Rest des Tages eine interessante Kleidungskombi bescherte, aber vor einer Erkältung rettete. Schließlich fuhren wir mit dem Bus wieder zurück - ein weiteres Gesangsbattle begann.
Auf der Rückfahrt zum Konvent hielt der Bus noch in Bylakuppe. Dort ist eine buddhistische  Klosteranlage mit dem dazugehörigen sehenswerten ‚Goldenen Tempel‘. Das innere des Tempels ist wunderschön und filigran bemalt und beherbergt drei riesige vergoldete buddhistische Statuen (Buddha, Guru Padmasambhava und den/die  wohl bekannte/n Amitayush :D ).
In Bylakuppe
Hanna pitschnass in Coorg
                                                         Unser zweiter Tag in Mysore stand ganz unter dem Motto: japanisches Powersightseeing! Früh am Morgen machten wir uns auf zur ersten Station: die ‚Brindavan Gardens‘(30 min Aufenthalt). Die im englischen Stil angelegten Gärten sind ein absolutes Highlight für so manchen Inder – vielleicht waren wir auch einfach noch zu müde morgens um 7h00, um ihre außergewöhnliche botanische Schönheit zu erkennen. Zweiter Stopp: der ‚Sommerpalast von Tipu Sultan‘(30 min Aufenthalt). Von außen ist er verhängt mit Bastmatten, doch innen offenbarte sich eine versteckte Pracht aus schön geschnitzten Holzbalkonen und herrlich dekorierten Wänden und Decken.  Es ist eigentlich ein Wunder, dass der Holzpalast noch so gut erhalten ist, denn was die Zeit noch nicht zerstört hat, machen die Inder. Sie müssen einfach alles anfassen und austesten (selbst Tipu Sultans Originalmöbel aus dem Jahre 1784)! :D Station Nummer drei: das Mausoleum ‚Gumbaz‘ (20 min Aufenthalt). Es wurde zu Ehren Tipu Sultan‘s Eltern errichtet und ähnelt ein wenig dem Taj Mahal. Der  Eintritt: Natives - 5 Rupies, Foreigners - 100 Rupies.  Auf dem Weg zum Lunch hielten wir auf dem ‚Chamundi Hill‘ (15 min Aufenthalt). Aufgrund unseres straffen Zeitplanes haben wir eigentlich nicht viel, bis auf die lange Menschenschlange, die vor dem Tempel wartete(Samstag), dort gesehen. Mittagessen gab es im Gemeindehaus der ‚Philomenas Cathedral‘ – wo auch sonst? =) Es war wieder einmal eine Geschmacksexplosion, bei der wir uns nicht entscheiden konnten was am besten schmeckte, aber das Fishmolly (eine Spezialität aus Kerala) stand ganz weit vorne. Schließlich erreichten wir unseren letzten Punkt auf der japanischen ‚Mysore Highlights List‘: Den ‚Maharadsha Palast Amba Vilas‘ (60min Aufenthalt) -  ein Ort der von Prunk und Protz nur so strotzt.  Leider reichte auch hier die Zeit nicht aus, um das Innere des Palastes zu besichtigen. Aber auch das Äußere der Anlage war verzaubernd und wiedermal ein perfektes Beispiel, wie nah Armut und Reichtum aneinander liegen können, obwohl sie doch so weit voneinander entfernt sind.
The Maharadsha-Girls
Auf der Rückfahrt nach Vellore hatten wir etwas Zeit in Bangalore und beschlossen, dort zu Abend zu essen. Wo könnte eine 30köpfige Truppe wohl am besten in Bangalore essen? Im ‚Kentucky Fried Chicken (KFC). An diesem Abend hatten wir beide unser erstes ‚Brot‘ seit 4 Wochen. Man hat selten ein Fast Food Lokal so genossen. Trotzdem würden wir immer die indische Küche vorziehen. Sie ist einfach UNGLAUBLICH LECKER!  Es war ein wunderbarer Trip voller neuer Bekanntschaften und Eindrücke. Aber wir waren auch froh, als wir Sonntag abends total erschöpft wieder ‚zu Hause‘ ankamen.
Jetzt ist es schon wieder Freitag und wir fragen uns erneut: Was ist bloß mit der indischen Zeit los???
Beim Sari kaufen <3
Bis Bald

Hanna und Theresa