Montag, 13. Dezember 2010

Es weihnachtet in Pavitram

Würden wir es nicht auf dem Kalender sehen, könnten wir es selbst kaum glauben: Wir sind mitten in der Weihnachtszeit!?!  Da man hier wirklich nicht im Geringsten in Weihnachtsstimmung versetzt wird(die Inder lassen die Vorweihnachtszeit komplett aus), mussten wir das selbst in die Hand nehmen!

Unsere Weihnachtsvorbereitungen starteten mit der Ankunft drei großer Pakete vollgepackt mit Wichtelpuppen aus Deutschland. Da wurde uns auf einmal klar: Weihnachten ist ziemlich nah! =)  Die Pakete horteten wir erst mal in unserem Zimmer, da es ja trotzdem noch eine Weile hin war, bis unsere Schüler ihr Weihnachtsgeschenk bekommen sollten. Schließlich stellte sich uns die Frage: Welche deutschen Weihnachtsbräuche kann man überhaupt in Indien umsetzen? Wie backt man Plätzchen ohne Ofen? Woher soll man einen Weihnachtsbaum bekommen zwischen all den Kokospalmen?  Und wie kann man mit den einfachsten Mitteln und 400 Helfern das alte Pfarrhaus und das Hostel schmücken ohne im Chaos zu ersticken?

Unsere Maenner =)
Gegen Ende November kam uns die glorreiche Idee, für unsere zwei Männer im Haus je einen Adventskalender zu basteln. Da noch genügend Stoffreste von der Wichtelaktion übrig waren, bekam jeder einen bunten Säckchenkalender. Mit den Worten „What is this?“ und großen Augen wurden wir am 1.Dezembermorgen von den beiden begrüßt. Nachdem selbst die Schwestern im Nachbarkonvent von dieser ‚tollen Erfindung‘ mitbekommen haben, sind die Adventskalender zu einer großen Attraktion geworden und Father Bosco und Brother Anand müssen jeden Morgen auf’s Neue ihre Säckchen verteidigen. Die Adventskalender waren sogar eine Inspiration für Fr. Bosco, der beschloss, auch den Hostelboys mit einfachen Kettchen (Bindfaden und katholische Kreuzanhänger) eine Freude zu machen. „Sharing is very important in this time.“ Wie recht er doch hat.

Mmmh...Lecker!
So, damit wären unsere Mitbewohner schon mal eingestimmt in die Vorweihnachtszeit, doch was ist mit uns???  Womit kann man uns in Indien immer glücklich machen? ESSEN! Das bedeutete: Plätzchen müssen her! =) Also gingen wir auf die Suche nach simplen, aus wenigen Zutaten bestehenden, backofenfreien Plätzchenrezepten. Unser erster Fund: Haferflockenplätzchen. Dies‘ brachte uns schon einen großen Schritt weiter in den Plätzchenhimmel. Aber eine Plätzchensorte war uns einfach nicht genug. Unsere Rettung brachte Fr. Bosco mit seinem Mikrowellentoaster. Mit den passenden Zutaten aus dem Ashramsupermarkt wagten wir den Versuch, Butterplätzchen zu backen. Und nur nach einer Stunde ließ sich sagen: Wir sind im Plätzchenhimmel angekommen! Ein ‚Halleluja‘ (wie es in der Sonntagsmesse zelebriert wird) auf Bosco’s Mikrowellentoaster! Außerdem hat sich herausgestellt, dass unsere deutschen Butterplätzchen in Indien der wahre ‚Renner‘ sind. Dank Fr Bosco und seinen Schwärmereien für das Gebäck war die Dose schon nach wenigen Tagen leer und wir mussten für Nachschub sorgen. =)

Nach dieser kulinarischen Einstimmung fehlte nun nur noch das passende Outfit für das Hostel und unser Pfarrhaus. Und so bastelten wir eine Play-Time lang mit unseren Hostelboys Weihnachtssterne. Mit 10 gelben Pappkartons und drei Scheren machten wir rund 150 Jungs glücklich. Nachdem die erste Skepsis überwunden war, fanden selbst unsere Zwölftklässler großen Gefallen daran, ihren Schlafraum zu schmücken. Und irgendwo mitten im gelben Schnipselchaos saßen wir und versuchten, die Aktion wenigstens ein bisschen zu überschauen. Es war ein riesen Spaß!


Unsere 98 Maedels
Da die letzten zwei Wochen vor den Weihnachtsferien ausschließlich Examen geschrieben werden, rückte unsere letzte Unterrichtsstunde schnell näher. Nachdem unsere Schüler einen kleinen Englischtest hinter sich gebracht hatten, war eine Belohnung fällig: die Wichtelpuppen aus Deutschland. Jedes Kind durfte sich ein Püppchen aus einem großen Sack ziehen und die Freude darüber war riesig. „Miss, is this really my puppet? I can keep it?“ Sie konnten ihr Glück kaum glauben und die Aktion war für uns ein voller Erfolg.
Unsere 30 Jungs...
...alle sind uebergluecklich!










Was den Weihnachtsbaum angeht, haben wir uns doch für eine Bananenstaude entschieden. Die hässlichen Plastikweihnachtsbäume aus dem Singapore-Shop kommen uns nicht ins Haus. Aber deswegen sind wir ja auch in Indien. =)

So, damit kann Weihnachten kommen!
Wir wünschen allen eine schöne Weihnachtszeit!!

Hanna und Theresa

Hier noch ein paar Eindruecke vom Monsun in Pavitram:

Das "Badezimmer"der Jungen
"Wir trotzen dem Monsun!"

4 Kommentare:

  1. Das klingt wirklich sehr spannend! :) Schön, dass ihr Eure Zeit genießt und die Kinder auch.
    Euch auch eine frohe Adventszeit!

    AntwortenLöschen
  2. ich hab die karte bekommen!! :)
    wirklich wunderschön :D
    ich wünsche euch ganz tolle sandweiße weihnachten am traumstrand und 'ne große flasche sekt für silvester!

    AntwortenLöschen
  3. Liebe Hanna, liebe Theresa !
    Ihr seid wahrhaft himmlische Weihnachtsbäckerinnen ! Wenn man so gute Ideen hat, dann muss das ja ein Erfolg werden. Hier bei uns hat der andauernde Schneefall dafür gesorgt, dass unser Weschnitztal in eine weiße Zauberlandschaft verwandelt wurde und wir sogar Aussichten auf weiße Weihnachten haben dürften. Ich möchte euch von hier aus ganz lieb grüßen, euch für euren tollen Einsatz herzlich danken und euch wünschen, dass ihr gemeinsam mit den lieben Kindern- sie sehen auf den Photos so fröhlich aus- sowie mit euren indischen Betreuern ein stimmungsvolles, friedliches Weihnachtsfest feiern könnt- hoffentlich sind noch ein paar Plätzchen übrig !
    Euch von Herzen alles Gute, guten Rutsch ins neue Jahr und weiterhin eine schöne Zeit !
    Es grüßt euch ganz herzlich
    Beate Wilhelm

    AntwortenLöschen
  4. Hallo ihr beiden,

    ich bin immer wieder aufs Neue begeistert, mit wie viel Elan, Ideenreichtum und offensichtlich auch Spaß ihr eure Aufgabe in Pavitram erfüllt!!! Ich kann mir nur zu gut vorstellen, wie überglücklich Ihr die Hostelboys mit euren Aktionen macht! :)

    Viele liebe Grüße und ein schönes Weihnachtsfest
    Eure Anita

    AntwortenLöschen